
In der Pop-up Ausstellung werden die Werke von vier Fotograf:innen gezeigt, die sich mit verschiedenen Formen von Land- und Stadtlandschaften beschäftigen. Die Fotoarbeiten und Druckgrafiken reflektieren die Themen “Licht, Bewegung, Abstraktion“ von 2013 bis heute. In unserer täglichen Auseinandersetzung mit Landschaften – urbanen und ruralen – legt unser Blick unterschiedliche Schwerpunkte fest. So verschieden wie der Mensch untereinander, so individuell sind seine Berührungspunkte und Zugangsweisen zu seiner Umgebung; Subjektivität schafft dabei Vielfalt der Darstellungsweise die über die Kamera und ihre Momentaufnahme vermittelt werden kann. Die Suche nach einem einzigartigen Blickwinkel oder einem einzigartigen Moment wird durch die derzeitige einschränkende Situation verstärkt. Die (Un)möglichkeit eines Ausgangs in unbekannte Welten führt einerseits dazu, sich mit dem Vorhandenen unter neuen Aspekten auseinanderzusetzen und verstärkt andererseits die Sehnsucht nach der Entdeckung neuer Orte. Die Ausstellung gliedert sich in drei thematische Abschnitte und zeigt architektonische Details und atmosphärische Landschaftsbilder. Das Ziel ist es, ein übergreifenden Dialog zwischen den beiden zu schaffen. Die Themenbereiche zeigen Divergenzen, Parallelen – aber vor allem die Verbindung der Fotografie in der subjektiven und kreativen Auseinandersetzung der Fotograf:innen mit ihrer Umgebung.

BEWEGUNG
Bewegung bedeutet Veränderung. Die Natur in ihrer Absenz von menschlich konstruierter und konzipierter Bewegung, lebt aus der jahrtausende bestehenden Dynamik. Während dieser Dynamik eine eigene, dem Menschen vielleicht langsam vorkommenden, Zeitspanne verfolgt, so schaffen Wind, Wolken, Wetter immediat wahr-nehmbare Bewegung und einmalige Kompositionen. Selbst in Abwesenheit akuter elementarer Einflüsse, ist die konstante Bewegung der Natur und deren ständige Änderung der fotografischer Reiz. Diese Veränderung bedingt denselben Ort unter ständig neuen Bedingungen und Blickwinkeln zu erkennen und sich damit auseinanderzusetzen. Dies bedenkend, sind es jedoch vor allem die urbanen Räume die wir immer mit Dynamik, Bewegung und ständiger Änderung in Verbindung bringen. Die konstant wechselnden Eindrücke bedingen durch die Geräuschkulisse, visuelle und olfaktorische Eindrücke und nicht zuletzt der sich scheinbar durchgehend in Bewegung befindenden Fahrzeuge und Menschen. Die Kamera schafft es, unaufhaltsame Bewegung als Punkt in der Zeit festzuhalten und einzufrieren. Durch die vom Menschen verinnerlichte Bewegungskraft der Stadt sind wir als Betrachter:innen in der Lage, den Zeitmoment zu kontextualisieren und selbst den nachfolgenden Schritt zu erahnen.

ABSTRAKTION
Die abstrahierten Wald-, Berg und Stadtlandschaften changieren zwischen einer deutlich dargestellten und fiktionalen Formensprache der Landschaften. Die einfachen, geradlinigen Strukturen der urbanen Landschaft wie Fassaden, Horizont und Himmel erscheinen hier in reduzierten Formen die auf das Wesentlich zurückzukommen. Die Ambivalenz (lateinisch ambo „beide“ und valere „gelten“) im Zusammenspiel zwischen Festkörper(n) und ihrer Umgebung, bewegt sich zwischen Schein und Wirklichkeit und spiegelt darin eine enge Verbindung von Gegensätzen wider.

LICHT
Licht beeinflusst wesentlich die Fotografie. Das bukolische Landschaftsbild kann durch die Gegebenheiten und künstliche Manipulation des Lichtes zum bedrohlichen Schauspiel werden. Wie auch in der bildnerischen Kunst die Darstellung und Verwendung der Lichtquelle wesentlich war (prägnantes Beispiel wäre der Caravaggismus oder die romantisierenden Landschaften des 19. Jahrhunderts), so bleibt es in der Fotografie die Stimmung, das Gefühl und die Bewegung durch die das Einwirken sowie Betonung und Auslassung des Lichtes ausgedrückt werden kann. Licht, wie auch in den hier ausgestellten Beispielen, beengt den dargestellten Raum oder gibt ihm Weite. Die Überspitzung von Lichteinwirkungen schafft selbst einen abstrahierenden Effekt eines bekannten Sujets. Die erhellenden Lichtstimmungen lenken den Blick auf die reduzierten, dunklen Bildausschnitte.

Fotografie
Die Fotografie bietet einzigartige Möglichkeiten Momentaufnahmen anzufertigen und diese in spielerischer und künstlerischer Weise den/der Betrachter:in aufzubereiten. Das Spektrum der Fotografie im 21. Jahrhundert ist dabei von der Technik- und Themenvielfalt bis hin zu ideologischen Auseinandersetzungen, von Widerspiegelungstheorien, Gedanken über Realität und Vision, Dokumentation und Inszenierung, Ideal und Idyll, Experiment und Tradition, Aura und Zeit, Einmaligkeit und Reproduktion so reich, dass es dem Bedeutungskosmos der Malerei in Nichts nachsteht. So objektiv die Fotografie erscheinen mag, welche augenscheinlich die Realität abzubilden schafft, wird uns als Betrachter:innen in Fotografien eine subjektive Interpretation davon dargeboten. Der Blick der Fotograf:innen und deren individuelle Zugangsweise schaffen eine ständige Neuschöpfung des Dargestellten. Die transformative Kraft der Fotografie aus ein und denselben thematisierten oder wiederholungsfähigen Moment, liegt im individuellen Zugang welcher für den/die Betrachter:in neue Perspektiven schafft.
Serigrafie
Beim Druck von Kunstgrafik wird im Siebdruckverfahren Farbe mit einem Rakel durch feinmaschiges Gewebe durch das zu bedruckende Material – wie zum Beispiel Papier, Textilien, Kunststoff, Keramik, Metall, Holz oder Glas – gedruckt. Oftmals werden Serigrafien zu einer bestimmten Auflagenzahl direkt im Künstler:innenatelier oder in Zusammenarbeit mit einer Siebdruckerei angefertigt. Neben Hochdruck, Tiefdruck und Flachdruck (Offsetdruck) wird Siebdruck auch als Durchdruck bezeichnet und gilt historisch gesehen als viertes Druckverfahren. Benötigt werden spezielle Werkzeuge wie ein Siebdruckrahmen (auf dem das Gewebe aufgespannt wird), Schablone, Lichtquelle, Fotoemulsion, Beschichtungsrinne, Spachtel und Rakel sowie das gewünschte Material welches bedruckt werden soll.