
Eine neue Ausstellung hat sich aufgemacht im KHM, passend zu einer Zeit, in der Höhere Gewalt eine wichtige Rolle in unser aller Leben spielt. Die Sonderausstellung ist mit Sicherheit eine Hommage nicht nur an die Zeiten von Corona, sondern auch an die Vielfalt der Glaubenswelten, ihre weltlichen realen Auswirkung und ihre künstlerischen Auseinandersetzungen damit. Womit die Ausstellung glänzt ist eine Mischung aus Kunst-objekten, Leihgaben, aus den unterschiedlichen Museen die am KHM Gefilde hängen, und persönlichen Objekten die vorab zugesendet wurden.
Höhere Mächte – bzw. die menschliche Vorstellung davon – haben seit jeher die Kulturen der Welt geprägt. Naturgewalten, Seuchen oder politische Systeme vermitteln uns auch heute noch das Gefühl, immer wieder Mächten ausgesetzt zu sein, die wir kaum beeinflussen können, die sich aber trotzdem auf unser Leben auswirken, es verändern und bestimmen. Die einzelnen Räume setzen sich mit jeweils unterschiedlichen Dimensionen dieser auseinander. Ist es in den ersten Räumen noch Höhere Mächte im Sinne von Naturmächten, dargestellt durch Bilder von Elementen, Götter die Elemente vertreten oder Symbolen dieser Elemente, setzt sich der 2. Raum mit göttlichen und weltlichen Mächten auseinander.

Hier zeigt sich nicht nur wie in Europa Höhere und weltliche Macht Hand in Hand gehen, denn durch die Ergänzungen aus dem Weltmuseum und dem Theatermuseum auch eine internationale Perspektive dazu sichtbar wird. Besonders diese über die Objekte des KHM hinausgehende und eine umfassendere Darstellung von verschiedenen Formen überirdischer und weltlicher Mächte machen die Ausstellung interessant und auch für eingesessene Besucher*innen reizvoll. Die ausgewählten Objekte machen deutlich, in wie vielen unterschiedlichen Formen und Facetten sich dieses Thema in Kultur und Kunst niedergeschlagen hat. Bei der Auswahl wurde bewusst ein Fokus auf die enge Verschränkung und direkte Gegenüberstellung von Objekten unterschiedlichster Herkunft gesetzt.

Einer der letzten Räume ist den Besucher*innen gewidmet. Diese können hier ihre (Aber)Glauben per Post-it mitteilen, sowie das umfangreiche digitale Angebot der Ausstellung nutzen. Die Besucher*innen konnten sich bereits im Vorfeld einbringen, indem sie ihre Glaubensobjekte, wie Rosenkränze, Hasenfüße, etc. der Ausstellung zur Verfügung stellen konnten. Vielleicht auch ein schöner Weg, die Besucher*innen weiter einzubinden und trotz des “abgehobenen” Themas, den realen Impakt der Glaube und die Wirkung von Höheren Mächten auf den/die Einzelne sichtbar zu machen.

Die Ausstellung ist sicherlich nicht die größte oder die künstler-namentlich prominenteste, aber eine schöne Abwechslung und vor allem für Besitzer*innen von Jahreskarte und Bundesmuseenkarte eine Empfehlung wert.
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Die Ausstellung läuft noch von 18. Mai bis 15. August 2021
Website und Infos: