
Mitten im Nichts des südlichen Kärntens, an der Grenze Kärntens zu Slowenien in Neuhaus/Suha, ragt ein einem USB-Stick gleichenden Betonklotz aus dem Berg über der Hauptstraße. Es ist das Museum Liaunig, ein privates Kunstmuseum des Industriellen Herbert Liaunig. Seit 2008 gewährt der Kunstsammler durch das Museum der Öffentlichkeit Einblick in seine Sammeltätigkeit der letzten Jahrzehnte.

Alleine das scheinbar gänzlich aus Beton bestehende Gebäude ist ein etwas eigenartiger Anblick in der relativ kleinen Ortschaft, aber auch der Inhalt des Museums ist ebenso außergewöhnlich. Denn das Museum ist gefüllt mit einer enormen Bandbreite österreichischer (und internationaler) Künstler*innen, vorrangig nach 1945: Rainer, Lassnig, Wurm, Boeckl u.v.m. sind hier zu finden. Unter wechselnden Ausstellungen werden auf 7.500 Quadratmetern Skulpturen, Gemälde und anderweitiges präsentiert. Alleine die wuchtigen hohen Wände, die minimalistisch-brutale Architektur und der teilweise mit engen Gängen und breiten Öffnung spielende Grundriss des Gebäudes, rechtfertigen einen spannenden Ausflug in die Kärntner Provinz – ob man sich für den Inhalt interessiert oder nicht. Denn moderne/zeitgenössische österreichische Kunst mag wohl nicht jedermanns/jederfraus Angelegenheit sein. Doch die sehr gut kuratierten Ausstellungen sind die Reise wert (besonders wenn man vielleicht sowieso am Weg nach Italien ist).
Neben den modernen Werken, sind auch die Glassammlung, Miniaturmalerei-kollektion und „ethnographische“ Sammlung der Familie Liaunig zu finden. Zugegeben, für die doch sehr moderne Architektur und Ausstellung der modernen Werke, war dieser Teil eher veraltet ausgestellt und die „ethnographische“ Sammlung vordergründig eine Zusammenstellung von Goldschmuck und Objekten aus verschiedenen Ländern ohne wirklichen Kontext. Abgesehen davon, gibt es für die Wechselausstellung eine interessante, wenn auch sehr ausführliche Führung die im Preis inkludiert ist. ACHTUNG jedoch: Das Museum ist über die Wintermonate geschlossen.
Zur letzten Ausstellung: Tour der Force –Punkt und Linie und Farbe auf dem Weg durch die österreichische Kunst nach 1945.
Die von Günther Holler-Schuster (Kurator, Museum Joanneum) kuratierte Ausstellung setzt sich mit der Entwicklung des Informel in Österreich auseinander. In der groß angelegten Schau sind mehr als 200 Arbeiten von über 90 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Ausgangspunkt ist 1945, denn hier passiert ein massiver Einschnitt innerhalb der globalen Weltordnung. Es bedurfte eines radikalen Neustarts – auch in der Kunst. Es ist deshalb argumentierbar, dass sich gerade das Informel als internationaler Stil in dieser „Stunde Null“ als ideales Beispiel für die Diskussion um einen Neustart innerhalb der bildenden Kunst nach 1945 anbietet. Die Auflösung der Formen, die Verselbständigung der malerischen Mittel – Punkt, Linie, Fläche, gleichgesetzt mit Pinselstrich, Fleck und Materialtransformation – sind wesentliche Elemente, die aus diesem Kontext der Destruktion kommen.

Der zentrale Ausgangspunkt der Ausstellung ist also das Informel. Die wesentlichen ProtagonistInnen der österreichischen Entwicklung sind dabei vertreten, ergänzt durch einige wesentliche internationale Highlights. Die Heterogenität dieser Kunstströmung wird bereits am Beginn der Ausstellung sichtbar. Somit wird sofort klar, dass es hier nicht um eine lineare Geschichtsauffassung gehen kann. Dass diese nicht aufschlussreich genug, immer nur fragmentarisch ist und von der jeweiligen – durchaus ideologisch abhängigen – Sichtweise geprägt ist, setzt sich langsam durch. Wir können nur punktuell in die Vergangenheit zurückblicken und Interpretationen anbieten. Eine verbindliche und objektive Sicht darauf mag mancherorts behauptet werden, bleibt aber immer ausschnitthaft und oft missverständlich.
Ob einem selbst das Informell als Form der Kunst dabei zusagt, dazu scheiden sich die Geister auch innerhalb von culturebites. Eine Ansammlung von so vielen verschiedenen Künstler*innen zu dieser Zeit an einem Ort, dies wird man wohl nur im Liaunig zu bestaunen bekommen.

Zu Herbert Liaunig
Herbert Liaunig, geboren 1945 in Radenthein (Kärnten), ist Unternehmer und Kunstsammler. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und gründete 1989 die Auricon Beteiligungs AG. Er machte sich vor allem als Sanierer unterschiedlicher Unternehmen einen Namen – darunter Funder, Jenbacher, Austria Email, Lenzing AG sowie die Österreichischen Schiffswerften AG. Darüber hinaus ist er an Waagner-Biro, Binder+Co Wild Austria beteiligt. Seit seinen jungen Jahren sammelt er Kunst. Ein Großteil davon ist in seinem Schloss Neuhaus in Kärnten oder im 2008 eröffneten, von Querkraft Architekten geplanten, gleichnamigen Museum zu besichtigen. Seine Sammlung umfasst mehr als 4000 Werke.
Vom Privatsammler zum Museumsbesitzer
Herbert Liaunig ist nicht der einzige Sammler, der seine private Leidenschaft zur Kunst der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt (natürlich gegen ein kleines Entgelt und im entsprechend Phantastischen Rahmen). Weitere Beispiele zu “vom Sammler zum Museumsbesitzer” gewordenen Orte, sind auch das Museum Leopold oder das Gartenpalais Liechtenstein, nebst unzähliger anderer. Der Trend dazu reißt nicht ab und alle paar Jahre entsteht ein neues Museum dieser Art. Demnächst wird sich auch bald jenes von Heidi Horton in der Wiener Innenstadt reihen, welches ebenfalls die private Sammlung zur Schau stellen wird. Dass Sammler*innen ihre Werke öffentlich präsentieren, ist nichts neues oder ungewöhnliches. Das Ausmaß jedoch von privat gesammelten Werken in öffentlichen Museen oder Ausstellungen öffentlicher Museen, welche sich ganz privaten Sammlungen widmet (siehe z.b. die Sammlung Batliner in der Albertiner, Heidi Horton im Leopold, etc.), wurde besonders in den vergangenen Jahren auch vielfach medial debattiert. Ist es ein PR Stunt für die Auktionshäuser? Ist es endlich die Gelegenheit die sonst hinter verschlossenen Türen gehaltenen Werke zu sehen? Ist dies eine Unterstützung der Steuergelder für reiche Menschen? Damit werden wird uns noch näher auseinandersetzen. Wer sich inzwischen zu diesen Debatten etwas einlesen möchte, kann dies hier tun: